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Johannes Dietl-Zeiner
Das kastrierte Evangelium
Die falschen Übersetzungen
und die Wiederentdeckung
der Frohbotschaft Jesu Christi.
Eine neue Sichtweise der Lehre der Urkirche
Zweite, aktualisierten und
erweiterte Auflage
Köstendorf
2012
Inhaltverzeichnis
Vorwort
Inhaltsverzeichnis
Vorwort - zur Zweiten Auflage...
7
Einführung... 11
ERSTER TEIL
Die große Odyssee der christlichen Botschaft... 18
A) Die historischen Ursachen der Übersetzungsfehler im
Neuen Testament... 18
1. Die geistigen Urväter der falschen Übersetzungen im Neuen
Testament... 19
Die Frohe Botschaft der Urkirche und die spezielle Verkündigung
durch Paulus... 19
Ehe- und prtnerschafisfeindliche Tendenzen... 27
Sexual- und leibfeindliche Tendenzen... 27
Frauenfeindliche Tendenzen... 31
Freiheitsunterdrückende Tendenzen... 35
Autoritäre und hierarchische Tendenzen... 38
Reichtumsverachtende Tendenzen... 45
Gottfürchtende Tendenzen... 50
Das enge Verhältnis von Paulus zu der Essener-Gemeinschaft in Qumran...
55
Geschichte und Lebensweise der Essener... 55
Die Lehre und das Schrifttum der Essener... 59
Paulus und die Essener... 61
2. Der Kanonisierungsprozeß und sein Einfluß auf die falschen
Übersetzungen der neutestamentlichen Schriften... 63
Die Kanonbildung des neutestamentlichen Schrifttums... 63
Die negativen Folgen der Kanonbildung... 65
3. Hieronymus und seine Übersetzungsfehler in der Vulgata... 67
Das Leben, die Umwelt und das literarisch-theologische Werk des Sophronius
Eusebius Hieronymus... 68
Die Vulgata - die kirchlich maßgebenste lateinische Bibelübersetzung
-, ihre groben Fehlerhaftigkeiten und die Folgen für das Christentum...
83
4. Konstantin-Kyrill und Method und ihre Bibelübersetzung in die
slawische Kirchensprache... 97
Die Bibelübersetzungen in der slawisch-kyrillischen Kirchensprache
und ihre Folgen für das Christentum... 97
Leben, Werk und Umwelt der Brüder Konstantin-Kyrill und Method...
99
5. Die bedeutendsten Bibelübersetzungen in der Zeit der Reformation...
105
Erasmus von Rotterdam und sein Werk "Instrumentum Novi Testamenti"...
105
Martin Luther und die deutsche Bibelübersetzung... 108
Leben, Umwelt und Werk des Martin Luther... 109
Die Luther-Bibel und ihre Folgen für das Christentum... 121
Die ersten Bibelübersetzungen in englischer Sprache... 121
Wiliam Tyndale - sein Leben, sein Werk und seine englische Bibel...
124
Die ersten englischen Bibelübersetzungen und ihre Folgen für
das Christentum... 125
6. Die Bibelübersetzungen im Auftrag des II. Vatikanischen Konzils...
129
Das II. Vatikanische Konzil und die Bibelübersetzungen in den verschiedenen
Landessprachen... 130
Die neuen kirchlich autorisierten Bibelübersetzungen (Nova Vulgata,
Übersetzungen in den verschiedenen Landessprachen für den
kirchlichen Gebrauch) und ihre Folgen für das Christentum... 133
B) Die exegetischen und philologischen Ursachen der Übersetzungsfehler
im Neuen Testament... 145
1. Die Arbeit an der Bibelübersetzung und die wichtigsten
Grundregeln für das Neue Testament... 147
2. Die exegetisch-historischen Ursachen für die Fehlerhaftigkeiten
in den Bibelübersetzungen (besonders: Neuen Testament) und die
Folgen für das Christentum... 150
3. Die philologisch-grammatikalischen Ursachen für die Fehlerhaftigkeiten
in den Bibelübersetzungen und die Folgen für das Christentum...
165
4. Interpretation und Übersetzung (Translation) der griechischen
Textvorlage der neutestamentlichen Schriften... 174
ZWEITER TEIL
Wichtige und notwendige Korrektur im Neuen Testament - entscheidende
Übersetzungsbeispiele aus der kirchlichen Tradition...
180
Einleitung... 180
1. Die Befreiung der Evangelien von Ehe- und Partnerschaftsfeindlichkeit
Grobe Fehlerhaftigkeiten in traditionellen neutestamentlichen Bibelübersetzungen
(Vulgata, Luther-Bibel, King-James- Version,Jerusalemer Bibel, Die Gute
Nachricht, Einheitsübersetzung) und ihre Richtigstellung... 183
Jesus will nicht, daß jemand seine Ehefrau um des Gottesreiches
willen "verläßt" (Lk 18,29)... 183
Jesus will nicht, daß seine Jünger ihre Frauen, Kinder oder
das eigene Leben "gering achten" (hassen, aufgeben)
(Lk 14,26)... 186
Jesus will nicht, daß jemand sein Leben für seine Freunde
hingibt (Joh 15,13)
... 188
2. Die Befreiung der Evangelien von Sexual- und Leibfeindlichkeit
Fehler in den traditionellen Übersetzungen und ihre Richtigstellung...
191
Jesus spricht unmissverständlich über den "Ehebruch im
Herzen" (Mt 5,28) ...191
Jesus will nicht, daß sich jemand Gliedmaßen (Auge, Hand)
"ausreißt“ weil sie ihn "zum Bösen verführt"
haben (Mt 5,29-30)... 196
Jesus wünscht sich nicht, daß jemandem wegen Verführung
"ein Mühlstein um den Hals gelegt und er ins Meer gestürzt
wird“ (Mk 9,42)... 200
Jesus will nicht, daß man sich wegen einer bösen Tat selbst
verstümmelt (Mk 9,43. 45. 47f)... 202
3. Die Befreiung der Evangelien von Frauenfeindlichkeit
Fehler in den traditionellen Übersetzungen und ihre Richtigstellung...
204
Jesus, der Auferstandene, spricht nicht abweisend und überheblich
zu Maria von Magdala (Joh 20,17)... 204
Jesus rügt Martha nicht dafür, daß sie ihn mit Speis
und Trank bewirtet (Lk 1O,40a)... 206
4. Die Befreiung der Evangelien von Äußerungen der
Unterdrückung, Bevormundung und des "geistigen Sklaventums"
Fehler in den traditionellen Übersetzungen und ihre Richtigstellung...
211
Jesus will nicht, daß seine Jünger "sich selbst verleugnen"
und ihr "Kreuz auf sich nehmen" (Mk 8,34-35)...
211
Jesus kündigt niemandem an, daß er "sein Leben verliert",
wenn er es liebt (Joh 12,25)... 214
Jesus wünscht sich von niemandem, daß er "der Letzte
von allen" und der "Diener aller" sein soll (Mk
9,35b)... 216
Jesus verkündet nicht ein Reich Gottes, das "mitten unter
euch“ (Menschen) ist (Lk 17,21b)... 217
Jesus verkündet keinen widersprüchlichen Gott, der einerseits
für "alle" Bedürfnisse sorgt und andererseits den
Menschen seiner täglichen "Plage" überläßt
(Mt 6,34b)... 219
5. Die Befreiung der Evangelien von autoritären, hierarchie-
und herrschsüchtigen Denkstrukturen
Fehler in den traditionellen Übersetzungen und ihre Richtigstellung...
222
Jesus kommt nicht, um statt "Frieden" das "Schwert"
und familiäre Entzweiung "auf die Erde" zubringen (Mt
10,34-36)... 222
Jesus kommt nicht, um "Feuer auf die Erde zu werfen"
(Lk 12,49)... 228
Jesus treibt nicht die Händler von Schafen und Rindern mit einer
Geißel aus dem Tempel (Joh 2,15)... 230
Jesus gibt seinen Jüngern nicht den Auftrag, "Sünden
zu vergeben" oder "die Vergebung zu verweigern"
(Joh 20,22b.23)... 233
Jesus rät niemandem, "sich" Freunde mit ungerechtem Mammon
(Schwarzgeld) zu machen, um in die ewigen Wohnungen aufgenommen zu werden
(Lk 16,9)
... 234
6. Die Befreiung der Evangelien von Reichtumsverachtung
Fehler in den traditionellen Übersetzungen und ihre Richtigstellung...
237
Jesus fordert niemanden auf "alles, was er hat, zu verkaufen und
es den Armen" zugeben (Mk 10,21)... 237
Jesus lehrt nicht, daß der "Reichtum" etwas "Trügerisches"
sei (Mk 4,19)... 239
Jesus verlangt von keinem Menschen, als sein Jünger "auf den
gesamten Besitz zu verzichten" (Lk 14,33)... 242
7. Die Befreiung der Evangelien von der Furcht vor Gottes
Fehler in den traditionellen Übersetzungen und ihre Richtigstellung...
245
Jesus, der Sohn Gottes, hat keine Angst, auch nicht im Garten von Getsemani
(Mt26,37)... 245
Jesus ängstigt niemanden damit, daß es für eine "Lästerung"
gegen den Heiligen Geist "in Ewigkeit keine Vergebung" gebe
(Mk 3,29)... 247
Jesus hält keine Rede über das "Ende der Welt" (Mk
13,7.10.13)... 249
Jesus lehrt niemanden, daß Gott "in Versuchung"führt
(Lk 11,4c // Mt 6,13a)
... 252
Das Jesus Gebet (Lk 11,2b-4)... 254
8. Die neue und korrigierte Übersetzung der Worte Jesu
Christi - eine "Auferstehung" der urchristlichen Botschaft
... 255
Nachwort... 258
Bibliographie... 260
Quellen... 260
Lexika, Handbücher, Grammatiken... 261
Verfasser- und Vielverfasserschriften... 262
Verzeichnis der falsch übersetzten Evangelienstellen in den traditionellen
Bibeln und ihren korrigierten Fassungen... 264
Abkürzungsverzeichnis... 265
Medienecho und Reaktionen aus der Fachwelt nach der ersten Auflage (seit
1996)
... 267
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Vorwort - zur Zweiten Auflage
Vorwort - zur Zweiten Auflage
Ich freue mich Ihnen, liebe Leserin und lieber Leser,
diese neue zweite Auflage mit dem neuen Untertitel, „Das kastrierte
Evangelium. Die falschen Übersetzungen und die Wiederentdeckung
der Frohbotschaft Jesu Christi“, präsentieren zu dürfen.
(Die ersten Auflage vom meinem Buch „Das
kastrierte Evangelium“ wurde 1996 veröffentlicht.)
In dieser Ausgabe wurden nicht nur einige Kapitel aktualisiert und überarbeitet.
Es wurden brisante Ergänzungen eingefügt, die meine These
noch erhärten sollen, dass in der Bibel die vier Evangelien an
entscheidenden Textstellen in ihren Übersetzungen ab dem 3./4.
Jhdt n.Ch. einseitig tendenziös und falsch übertragen wurden.
Dadurch wurden die ursprünglichen Aussagen und Intentionen dieser
Stellen verfälscht und das Frohmachende entfernt ("kastriert").
Dabei geht es vor allem um „Worte Jesu“, die in den herkömmlichen
Bibelübersetzungen den ursprünglichen Wortsinn offensichtlich
nicht treffen. So sind diese Texte nicht oder nur sehr schwer verstehbar,
was jedoch im Urtext bei richtiger Übersetzung klar und verständlich
ist. Das betrifft auch das Verständnis für das Anliegen der
Worte Jesu. Denn die ersten Christen verstanden die„Worte Jesu“,
andernfalls hätten sie diese Texte nicht in diesen Gemeinden gesammelt
und von Generation zu Generation weitergegeben.
Heute sind offenbar viele dieser entstellten Texte wohl sehr schwer
vermittelbar geworden. Und dennoch versucht man sie in Predigt und Religionsunterricht
zu erklären. Aber werden dort die Worte Jesu (in den herkömmlichen
Übersetzungen) heute wirklich verstanden?
Die hier im Buch gebrachten Übersetzungsbeispiele wollen zu einem
besseren Verständnis der „Worte Jesu“ durch eine korregierte
Übersetzung beitragen.
Zu den Neuheiten dieser Buchauflage gehören die Ergänzungen
im Kapitel "Hieronymus und seine Übersetzungsfehler",
die hier besonders erwähnt werden sollen. Diese Ergänzungen
sind Auszüge aus den Briefen von Hieronymus, die uns noch genauer
sein Denken und seine geistige Ausrichtung vor Augen führen. Deutlich
zeigen sie uns heute, warum Hieronymus die Bibel und besonders die vier
Evangelien ehefeindlich, sexualfeindlich, frauenfeindlich, freiheitsverachtend,
machtgierig und autoritätshörig, reichtumsverachtend und gott(es)-fürchtend
(ein widersprüchliches Gottesbild: die Liebe Gottes und zugleich
die Angst vor Ihm) übersetzt hat.
Wir erhalten durch diese Briefauszüge erstaunliches Informationsmaterial,
das wie gesagt Einblicke in sein Denken gibt und andererseits auch dabei
hilft, seine Evangelienübersetzungen kritisch zu bewerten und zu
analysieren.
Wenn es uns gelingt unsere herkömmlichen Übersetzungen (Einheitsübersetzung,
Luther-Bibel,u.a.) von dieser subjektiven Interpretation Hieronymus
zu befreien, so wächst die Chance, dem Urtext der Evangelien mit
seinen ursprünglichen Aussagen näher zu kommen und damit die
Worte Jesu von ihrer einseitigen Verfremdung loszulösen.
Warum wurden diese Hieronymus-Briefe nicht schon in der ersten Buch-Auflage
dokumentiert?
Die Antwort ist leicht gegeben. Nach der Erstveröffentlichung 1996
bereitete ich mich auf eine Vortragsreihe in der Stadt Salzburg über
das Leben und Wirken von Hieronymus vor. Dabei entdeckte ich in der
Bibliothek der katholisch theologischen Fakultät der Universität
Salzburg eine Anzahl an Hieronymus-Briefen.
Es überraschte mich auch die Tatsache, dass Hieronymus einige jener
Evangelientexte in seinen Briefen kommentiert, die auch ich im zweiten
Buchteil behandle. So können wir bei manchen seiner Texte den direkten
Vergleich anstellen, hier die Hieronymus-Briefe und dort die verschiedenen
herkömmlichen heutigen Bibel-Übersetzungen, die die gleiche
Denkungsart sehr deutlich erkennen lassen.
Besonders interessant ist auch jener Brief, in dem er seinen Auftraggeber,
Papst Damasus I., über seine Arbeit und Schwierigkeiten an der
lateinischen Bibelübersetzung informiert.
Dort klagt er über seine Rolle als "Richter", entscheiden
zu müssen, welche die richtigen bzw. falschen lateinischen Übersetzungstexte
seien. Er berichtet dem Papst, dass ihm verschiedene lateinische Übersetzungen
vorliegen, die sich an vielen Stellen schärfstens widersprechen.
Sein Dilemma beschreibt er so, dass ihn Ängste plagen, von vielen
als "Bibelfälscher" und sogar als "Gotteslästerer"
beschimpft zu werden, wenn sie seine Übersetzung lesen würden.
Hilfe suchend wendet er sich an den Papst, daß er durch dessen
Autorität vor solchen möglichen Angriffen wohl geschützt
würde.
In der Folge haben die christlichen Kirchen 1600 Jahre ungeprüft
darauf vertraut, dass Hieronymus die altgriechischen Evangelientexte
in seiner päpstlich autorisierten Bibel lateinisch richtig übersetzt
hat.
Auf die Frage, warum die Kirchen mit ihren Fachleuten diese Fehler an
jenen Stellen in der herkömmlichen Bibelübersetzung nicht
entdeckt haben, bin ich im ersten großen Buchteil eingegangen.
Die Textbeispiele mit den Übersetzungsfehlern, sowie ihre Korrektur
durch mich, zeige ich im zweiten Teil, wobei das nur ein kleiner
Ausschnitt angesichts der großen Menge an fehlerhaften Texten
ist, die sich immer noch in den Evangelien bzw. in der Bibel befinden.
Ich würde ihnen, liebe Leser, für diesen Buchteil als Lesetip
raten, eine Bibel aus ihren Buchregal zu holen, und dort sich zum besprochenen
Verse den betreffenden Textabschnitt durchlesen. Das kann für
sie eine Hilfe sein, den Unterschied zwischen dem "herkömmlichen
Jesus" und dem Jesus meiner neuen Übersetzung zu
sehen.
Ich möchte mich hier an dieser Stelle bei all den vielen Leserinnen
und Lesern bedanken, die mir geschrieben, mich angerufen, ja sogar persönlich
besucht haben. Auch der Fachwelt sei mein Dank ausgesprochen, allen
voran in memoriam Dr. Albert van Gansewinkel, Professor für Dogmatik,
Psychologie, Ethik, und Pastoraltheologie sowie Dr. Herbert Haag, Professor
für Bibelwissenschaften. Es freut mich, dass ich Gott sei Dank,
Herrn Dr. van Gansewinkel noch persönlich kennenlernen durfte.
Mein Dank sei hier auch Dr. Roman Heiligenthal, Professor für Neutestamentliche
Bibelwissenschaft und derzeitiger Dekan der Universität Landau/Pfalz
ausgesprochen, der mein Buch gelesen hat und meint, "dass sich
die Diskussion über sein Anliegen lohnt."
Allen Bibelinteressierten hoffe ich auch in meinen zukünftigen
Veröffentlichungen genug Informationen über diese neue Übersetzung
geben zu können.
Vielleicht fragen sich einige meiner Leserinnen und Leser, wie ich als
katholischer Theologe mein Verhältnis zur römisch-katholischen
Kirche sehe, wenn ich ihr ein theologisches Werk mit diesem Titel („Das
kastrierte Evangelium“ Veröffentlichung 1996) zugemutet habe?
Als christlich-ökumenischer Theologe stelle ich meine Arbeit in
den Dienst aller christlichen Kirchen und so fühle mich auch nicht
allein mit der katholischen Kirche verbunden.
Da ich in der geistigen Bewegung des Zweiten Vatikanischen Konzils aufgewachsen
bin, ist für mich jener Leitsatz dieser bedeutungsvollen Kirchenversammlung
wichtig: " Ecclesia semper reformanda. " (Die Kirche bedarf
immer einer Reform.) Dieses Konzil hat sich klar zur Meinungsfreiheit
und Freiheit der wissenschaftlichen Forschung bekannt (vgl. Pastoral-Konstitution
" Gaudium et Spes ", 1965, Nr. 59). In diesem Sinn sehe ich
auch meine Übersetzungsarbeit und Forschungstätigkeit an der
Bibel. Das Konzil hat auch in ihrer Dogmatischen Konstitution "Dei
Verbum" ("Über die göttliche Offenbarung",
1965) die Theologie und Bibelwissenschaft beauftragt, beide großen
Teile der Bibel (Hebräische und Christliche Bibel/Altes und Neues
Testament) sinngetreu und "aus dem Urtext" neu zu übersetzen
(vgl. Dei Verbum, Nr. 12 und Nr. 22 ).
Dieser Aufforderung der Konzilsväter (Beschluss mit 2344 Ja - gegen
6 Nein - Stimmen) wurde, wie ich meine, sehr mangelhaft entsprochen,
weil die alten Fehler der Hieronymus-Übersetzung (Vulgata) beibehalten
wurden.
Mein Anliegen ist es, dass diese Forschungsergebnisse offengelegt werden,
damit meine These der falschen Evangelien-Übersetzung in einer
fachlich-theologischen Diskussion weitergeführt werden kann.
Damit möchte ich eine Bibelreform anregen, bei der alle auf dem
Weg und Suche nach der richtigen und authentischen "Frohbotschaft
Jesu Christi" (griech. euangelion Iesou Christou) sind. Der Buchtitel
will aber nicht den Eindruck erwecken, dass ich bereits die einzig richtige
Übersetzung gefunden habe.
Mit dieser These in engem Zusammenhang steht selbstverständlich
eine Neu-Interpretation von Jesus, Seiner Worte und Taten,
Seiner gesamten Botschaft und Verkündigung. Meine Forschungsergebnisse
werden möglicher Weise auch eine Diskussion über ein neues
verändertes Jesus- und Gottes-Bild eröffnen.
Ich möchte die theologische Frage anregen, wie dieser neue Jesus
unseren Blick für eine neue Perspektive des Christentums
weiten kann.
Zu fragen ist auch, ob die gesamte theologische Wissenschaft
dieser Herausforderung und Aufgabe sich stellen wird. Wird sie versuchen,
das Wesen des Christentums von verschiedenen Blickrichtungen neu zu
definieren? Wird sie diese neue Übersetzung theologisch hermeneutisch
bearbeiten und für die Menschen und das christliche Alltagsleben
und Praxis fruchtbar machen können?
Werden bald neue Wege in der Theologie (Bibelwissenschaft,
Systematik, Theologische Ethik, Pastoraltheologie, Religionspädagogik,
Kirchenrecht ...) beschritten werden? Sollte das geschehen, werden diese
Auswirkungen in den Kirchen (Kirchenstruktur, Ordination und Ämterbestellung,
Gleichberechtigung und Gleichstellung von Frau und Mann, von Verheirateten
und Unverheirateten, Frage der Ämtersukzession, Sexual- und Morallehre,
vor allem was die röm.-kath. Kirche betrifft, ...) sichtbar werden.
Das Jahr 2010 hat in der römisch katholischen Kirche eine
sehr schwere Krise durch die mediale Veröffentlichung
der vielen Gewalt- und Missbrauchsfälle an Kindern und Jugendlichen
durch Priester und Ordensleute ausgelöst, die ihre "Krankheit"
(Hans Küng), an der sie seit Jahrhunderten leidet, wieder einmal
deutlich gezeigt hat. Ohne rasche und ehrlich durchgeführte Reformen
wird sie wohl nicht zu retten sein, so beschreibt es Prof. Hans Küng
in seinem Buch "Ist die Kirche noch zu retten?" Mein Betrag
an diesem weitangelegten Reformprozess der Kirche ist der Aufruf zu
einer solchen Bibelreform durch einen genaue Übersetzungs-Analyse
und notwendige Korrektur. Denn nur eine korrekte Übersetzung der
Worte Jesu in den Evangelien, kann ein Jesus-Bild deutlich machen, welches
als Orientierung und Richtung für die Kirche der Zukunft Bestand
haben kann. Damit kann in dieser Kirche wieder die neue und zugleich
alte Lehre der Urkirche deutlicher zum Vorschein kommen, die
in vielen Jahrhunderten durch künstliche, menschlich geschaffene
und gefälschte Traditionen (Zölibatsgesetze, absolutistisches
unfehlbares Papsttum, u.v.m.) zugeschüttet und vergraben worden
ist.
Aber auch allgemein für die Leserinnen und Leser der Bibel kann
nur ein Jesus in korrekt übersetzten Evangelientexten mit Seiner
Weisheit für ihren Alltag hilfreich sein.
Der Buchtitel, „Das kastrierte Evangelium“, wurde von mir
schon in der ersten Auflage 1996 gewählt, weil ich damit die enge
Verbindung zwischen den mönchisch und ehelos lebenden priesterlichen
Übersetzern (Hieronymus, u.a.) und ihren Einfluss auf die kirchlichen
Übersetzungen der Evangelien des Neuen Testaments (oder Zweites
Testament) zeigen wollte, und wie sie damit, wie schon gesagt, das Bild
von Jesus in den Predigten und im Bibelunterricht tendenziös Jahrhunderte
lang geprägt haben.
Dieser Titel will auch verdeutlichen, dass alle herkömmlichen Übersetzungen
der christlichen Kirchen eine Überprüfung und einen Befreiungsakt
von allen Übersetzungsfehlern benötigen, die bisher mit dem
Argument der Tradition gestützt wurde: „Das hieß doch
seit Jahrhunderten so, wurde von unseren Fachleuten immer schon geprüft,
und ist daher auch nur so richtig!“
Nun wünsche ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, dass Sie diesen
"neuen" Jesus und Sein Evangelium mit Freude kennenlernen
mögen. Erfreulich wäre auch, wenn durch diese zweite Auflage
meines Buches eine positive und konstruktive Diskussion über die
Bibel und ihre Übersetzungen ausgelöst würde.
Ich habe mich stets redlich darum bemüht, in meiner Übersetzungstätigkeit
eine frohmachende Botschaft im Sinn der Urkirche zu erarbeiten, die
klar verständlich ist und lebensbejahende Anregungen für den
Alltag gibt. Sehen und prüfen sie selbst, ob es mir gelungen ist,
dem "Evangelium Jesu Christi" seine guten geistig-spirituellen
Impulse wiederzugegeben und von den Verfälschungen zu befreien.
So hoffe ich nun, dass damit die lebensfördernen Einsichten in
der Botschaft Jesu nicht mehr weggeschnitten („kastriert")
sind.
Köstendorf, Dezember 2011
Johannes Dietl-Zeiner
Dietl-Zeiner, Johannes: Das kastrierte Evangelium.
Die falschen Übersetzungen und die Wiederentdeckung
der Frohbotschaft Jesu Christi.
Eine neue Sichtweise der Lehre der Urkirche.
© Coyright 2012 by Mag. Johannes Dietl-Zeiner
Alle Rechte vorbehalten
Zweite, aktualisierte und erweiterte Auflage
Köstendorf 2012
Eigenverlag
Adresse: Joseph Mösl-Straße 8/9, A-5203 Köstendorf, Austria
E-Mail: johannes@dietlzeiner.at
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