Johannes Dietl-Zeiner

Das kastrierte Evangelium

Die falschen Übersetzungen
und die Wiederentdeckung
der Frohbotschaft Jesu Christi.


Eine neue Sichtweise der Lehre der Urkirche


Zweite, aktualisierten und
erweiterte Auflage


Köstendorf

2012


Inhaltverzeichnis

Vorwort


Inhaltsverzeichnis

Vorwort - zur Zweiten Auflage... 7
Einführung... 11

ERSTER TEIL
Die große Odyssee der christlichen Botschaft
... 18

A) Die historischen Ursachen der Übersetzungsfehler im Neuen Testament... 18

1. Die geistigen Urväter der falschen Übersetzungen im Neuen Testament... 19

Die Frohe Botschaft der Urkirche und die spezielle Verkündigung durch Paulus... 19

Ehe- und prtnerschafisfeindliche Tendenzen... 27

Sexual- und leibfeindliche Tendenzen... 27

Frauenfeindliche Tendenzen... 31

Freiheitsunterdrückende Tendenzen... 35

Autoritäre und hierarchische Tendenzen... 38

Reichtumsverachtende Tendenzen... 45

Gottfürchtende Tendenzen... 50

Das enge Verhältnis von Paulus zu der Essener-Gemeinschaft in Qumran... 55

Geschichte und Lebensweise der Essener... 55

Die Lehre und das Schrifttum der Essener... 59

Paulus und die Essener... 61

2. Der Kanonisierungsprozeß und sein Einfluß auf die falschen Übersetzungen der neutestamentlichen Schriften... 63

Die Kanonbildung des neutestamentlichen Schrifttums... 63

Die negativen Folgen der Kanonbildung... 65

3. Hieronymus und seine Übersetzungsfehler in der Vulgata... 67

Das Leben, die Umwelt und das literarisch-theologische Werk des Sophronius Eusebius Hieronymus... 68

Die Vulgata - die kirchlich maßgebenste lateinische Bibelübersetzung -, ihre groben Fehlerhaftigkeiten und die Folgen für das Christentum... 83

4. Konstantin-Kyrill und Method und ihre Bibelübersetzung in die slawische Kirchensprache... 97

Die Bibelübersetzungen in der slawisch-kyrillischen Kirchensprache und ihre Folgen für das Christentum... 97

Leben, Werk und Umwelt der Brüder Konstantin-Kyrill und Method... 99

5. Die bedeutendsten Bibelübersetzungen in der Zeit der Reformation... 105

Erasmus von Rotterdam und sein Werk "Instrumentum Novi Testamenti"... 105

Martin Luther und die deutsche Bibelübersetzung... 108

Leben, Umwelt und Werk des Martin Luther... 109

Die Luther-Bibel und ihre Folgen für das Christentum... 121

Die ersten Bibelübersetzungen in englischer Sprache... 121

Wiliam Tyndale - sein Leben, sein Werk und seine englische Bibel... 124

Die ersten englischen Bibelübersetzungen und ihre Folgen für das Christentum... 125

6. Die Bibelübersetzungen im Auftrag des II. Vatikanischen Konzils... 129

Das II. Vatikanische Konzil und die Bibelübersetzungen in den verschiedenen Landessprachen... 130

Die neuen kirchlich autorisierten Bibelübersetzungen (Nova Vulgata, Übersetzungen in den verschiedenen Landessprachen für den kirchlichen Gebrauch) und ihre Folgen für das Christentum... 133

B) Die exegetischen und philologischen Ursachen der Übersetzungsfehler im Neuen Testament... 145

1. Die Arbeit an der Bibelübersetzung und die wichtigsten Grundregeln für das Neue Testament... 147

2. Die exegetisch-historischen Ursachen für die Fehlerhaftigkeiten in den Bibelübersetzungen (besonders: Neuen Testament) und die Folgen für das Christentum... 150

3. Die philologisch-grammatikalischen Ursachen für die Fehlerhaftigkeiten in den Bibelübersetzungen und die Folgen für das Christentum... 165

4. Interpretation und Übersetzung (Translation) der griechischen Textvorlage der neutestamentlichen Schriften... 174

ZWEITER TEIL
Wichtige und notwendige Korrektur im Neuen Testament - entscheidende Übersetzungsbeispiele aus der kirchlichen Tradition
... 180

Einleitung... 180

1. Die Befreiung der Evangelien von Ehe- und Partnerschaftsfeindlichkeit
Grobe Fehlerhaftigkeiten in traditionellen neutestamentlichen Bibelübersetzungen (Vulgata, Luther-Bibel, King-James- Version,Jerusalemer Bibel, Die Gute Nachricht, Einheitsübersetzung) und ihre Richtigstellung... 183

Jesus will nicht, daß jemand seine Ehefrau um des Gottesreiches willen "verläßt"
(Lk 18,29)... 183

Jesus will nicht, daß seine Jünger ihre Frauen, Kinder oder das eigene Leben "gering achten" (hassen, aufgeben)
(Lk 14,26)... 186

Jesus will nicht, daß jemand sein Leben für seine Freunde hingibt
(Joh 15,13)
... 188

2. Die Befreiung der Evangelien von Sexual- und Leibfeindlichkeit
Fehler in den traditionellen Übersetzungen und ihre Richtigstellung... 191

Jesus spricht unmissverständlich über den "Ehebruch im Herzen"
(Mt 5,28) ...191

Jesus will nicht, daß sich jemand Gliedmaßen (Auge, Hand) "ausreißt“ weil sie ihn "zum Bösen verführt" haben
(Mt 5,29-30)... 196

Jesus wünscht sich nicht, daß jemandem wegen Verführung "ein Mühlstein um den Hals gelegt und er ins Meer gestürzt wird“
(Mk 9,42)... 200

Jesus will nicht, daß man sich wegen einer bösen Tat selbst verstümmelt
(Mk 9,43. 45. 47f)... 202

3. Die Befreiung der Evangelien von Frauenfeindlichkeit
Fehler in den traditionellen Übersetzungen und ihre Richtigstellung... 204

Jesus, der Auferstandene, spricht nicht abweisend und überheblich zu Maria von Magdala
(Joh 20,17)... 204

Jesus rügt Martha nicht dafür, daß sie ihn mit Speis und Trank bewirtet
(Lk 1O,40a)... 206

4. Die Befreiung der Evangelien von Äußerungen der Unterdrückung, Bevormundung und des "geistigen Sklaventums"
Fehler in den traditionellen Übersetzungen und ihre Richtigstellung... 211

Jesus will nicht, daß seine Jünger "sich selbst verleugnen" und ihr "Kreuz auf sich nehmen"
(Mk 8,34-35)... 211

Jesus kündigt niemandem an, daß er "sein Leben verliert", wenn er es liebt
(Joh 12,25)... 214

Jesus wünscht sich von niemandem, daß er "der Letzte von allen" und der "Diener aller" sein soll
(Mk 9,35b)... 216

Jesus verkündet nicht ein Reich Gottes, das "mitten unter euch“ (Menschen) ist
(Lk 17,21b)... 217

Jesus verkündet keinen widersprüchlichen Gott, der einerseits für "alle" Bedürfnisse sorgt und andererseits den Menschen seiner täglichen "Plage" überläßt
(Mt 6,34b)... 219

5. Die Befreiung der Evangelien von autoritären, hierarchie- und herrschsüchtigen Denkstrukturen
Fehler in den traditionellen Übersetzungen und ihre Richtigstellung... 222

Jesus kommt nicht, um statt "Frieden" das "Schwert" und familiäre Entzweiung "auf die Erde" zubringen
(Mt 10,34-36)... 222

Jesus kommt nicht, um "Feuer auf die Erde zu werfen"
(Lk 12,49)... 228

Jesus treibt nicht die Händler von Schafen und Rindern mit einer Geißel aus dem Tempel
(Joh 2,15)... 230

Jesus gibt seinen Jüngern nicht den Auftrag, "Sünden zu vergeben" oder "die Vergebung zu verweigern"
(Joh 20,22b.23)... 233

Jesus rät niemandem, "sich" Freunde mit ungerechtem Mammon (Schwarzgeld) zu machen, um in die ewigen Wohnungen aufgenommen zu werden
(Lk 16,9)
... 234

6. Die Befreiung der Evangelien von Reichtumsverachtung
Fehler in den traditionellen Übersetzungen und ihre Richtigstellung... 237

Jesus fordert niemanden auf "alles, was er hat, zu verkaufen und es den Armen" zugeben
(Mk 10,21)... 237

Jesus lehrt nicht, daß der "Reichtum" etwas "Trügerisches" sei
(Mk 4,19)... 239

Jesus verlangt von keinem Menschen, als sein Jünger "auf den gesamten Besitz zu verzichten"
(Lk 14,33)... 242

7. Die Befreiung der Evangelien von der Furcht vor Gottes
Fehler in den traditionellen Übersetzungen und ihre Richtigstellung... 245

Jesus, der Sohn Gottes, hat keine Angst, auch nicht im Garten von Getsemani
(Mt26,37)... 245

Jesus ängstigt niemanden damit, daß es für eine "Lästerung" gegen den Heiligen Geist "in Ewigkeit keine Vergebung" gebe
(Mk 3,29)... 247

Jesus hält keine Rede über das "Ende der Welt"
(Mk 13,7.10.13)... 249

Jesus lehrt niemanden, daß Gott "in Versuchung"führt
(Lk 11,4c // Mt 6,13a)
... 252

Das Jesus Gebet
(Lk 11,2b-4)... 254

8. Die neue und korrigierte Übersetzung der Worte Jesu Christi - eine "Auferstehung" der urchristlichen Botschaft ... 255

Nachwort... 258
Bibliographie... 260
Quellen... 260
Lexika, Handbücher, Grammatiken... 261
Verfasser- und Vielverfasserschriften... 262
Verzeichnis der falsch übersetzten Evangelienstellen in den traditionellen Bibeln und ihren korrigierten Fassungen... 264
Abkürzungsverzeichnis... 265
Medienecho und Reaktionen aus der Fachwelt nach der ersten Auflage (seit 1996)
... 267

 

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Vorwort - zur Zweiten Auflage

Vorwort - zur Zweiten Auflage

Ich freue mich Ihnen, liebe Leserin und lieber Leser, diese neue zweite Auflage mit dem neuen Untertitel, „Das kastrierte Evangelium. Die falschen Übersetzungen und die Wiederentdeckung der Frohbotschaft Jesu Christi“, präsentieren zu dürfen. (Die ersten Auflage vom meinem Buch „Das kastrierte Evangelium“ wurde 1996 veröffentlicht.)

In dieser Ausgabe wurden nicht nur einige Kapitel aktualisiert und überarbeitet. Es wurden brisante Ergänzungen eingefügt, die meine These noch erhärten sollen, dass in der Bibel die vier Evangelien an entscheidenden Textstellen in ihren Übersetzungen ab dem 3./4. Jhdt n.Ch. einseitig tendenziös und falsch übertragen wurden. Dadurch wurden die ursprünglichen Aussagen und Intentionen dieser Stellen verfälscht und das Frohmachende entfernt ("kastriert").

Dabei geht es vor allem um „Worte Jesu“, die in den herkömmlichen Bibelübersetzungen den ursprünglichen Wortsinn offensichtlich nicht treffen. So sind diese Texte nicht oder nur sehr schwer verstehbar, was jedoch im Urtext bei richtiger Übersetzung klar und verständlich ist. Das betrifft auch das Verständnis für das Anliegen der Worte Jesu. Denn die ersten Christen verstanden die„Worte Jesu“, andernfalls hätten sie diese Texte nicht in diesen Gemeinden gesammelt und von Generation zu Generation weitergegeben.

Heute sind offenbar viele dieser entstellten Texte wohl sehr schwer vermittelbar geworden. Und dennoch versucht man sie in Predigt und Religionsunterricht zu erklären. Aber werden dort die Worte Jesu (in den herkömmlichen Übersetzungen) heute wirklich verstanden?
Die hier im Buch gebrachten Übersetzungsbeispiele wollen zu einem besseren Verständnis der „Worte Jesu“ durch eine korregierte Übersetzung beitragen.

Zu den Neuheiten dieser Buchauflage gehören die Ergänzungen im Kapitel "Hieronymus und seine Übersetzungsfehler", die hier besonders erwähnt werden sollen. Diese Ergänzungen sind Auszüge aus den Briefen von Hieronymus, die uns noch genauer sein Denken und seine geistige Ausrichtung vor Augen führen. Deutlich zeigen sie uns heute, warum Hieronymus die Bibel und besonders die vier Evangelien ehefeindlich, sexualfeindlich, frauenfeindlich, freiheitsverachtend, machtgierig und autoritätshörig, reichtumsverachtend und gott(es)-fürchtend (ein widersprüchliches Gottesbild: die Liebe Gottes und zugleich die Angst vor Ihm) übersetzt hat.

Wir erhalten durch diese Briefauszüge erstaunliches Informationsmaterial, das wie gesagt Einblicke in sein Denken gibt und andererseits auch dabei hilft, seine Evangelienübersetzungen kritisch zu bewerten und zu analysieren.
Wenn es uns gelingt unsere herkömmlichen Übersetzungen (Einheitsübersetzung, Luther-Bibel,u.a.) von dieser subjektiven Interpretation Hieronymus zu befreien, so wächst die Chance, dem Urtext der Evangelien mit seinen ursprünglichen Aussagen näher zu kommen und damit die Worte Jesu von ihrer einseitigen Verfremdung loszulösen.

Warum wurden diese Hieronymus-Briefe nicht schon in der ersten Buch-Auflage dokumentiert?
Die Antwort ist leicht gegeben. Nach der Erstveröffentlichung 1996 bereitete ich mich auf eine Vortragsreihe in der Stadt Salzburg über das Leben und Wirken von Hieronymus vor. Dabei entdeckte ich in der Bibliothek der katholisch theologischen Fakultät der Universität Salzburg eine Anzahl an Hieronymus-Briefen.

Es überraschte mich auch die Tatsache, dass Hieronymus einige jener Evangelientexte in seinen Briefen kommentiert, die auch ich im zweiten Buchteil behandle. So können wir bei manchen seiner Texte den direkten Vergleich anstellen, hier die Hieronymus-Briefe und dort die verschiedenen herkömmlichen heutigen Bibel-Übersetzungen, die die gleiche Denkungsart sehr deutlich erkennen lassen.

Besonders interessant ist auch jener Brief, in dem er seinen Auftraggeber, Papst Damasus I., über seine Arbeit und Schwierigkeiten an der lateinischen Bibelübersetzung informiert.
Dort klagt er über seine Rolle als "Richter", entscheiden zu müssen, welche die richtigen bzw. falschen lateinischen Übersetzungstexte seien. Er berichtet dem Papst, dass ihm verschiedene lateinische Übersetzungen vorliegen, die sich an vielen Stellen schärfstens widersprechen.

Sein Dilemma beschreibt er so, dass ihn Ängste plagen, von vielen als "Bibelfälscher" und sogar als "Gotteslästerer" beschimpft zu werden, wenn sie seine Übersetzung lesen würden. Hilfe suchend wendet er sich an den Papst, daß er durch dessen Autorität vor solchen möglichen Angriffen wohl geschützt würde.

In der Folge haben die christlichen Kirchen 1600 Jahre ungeprüft darauf vertraut, dass Hieronymus die altgriechischen Evangelientexte in seiner päpstlich autorisierten Bibel lateinisch richtig übersetzt hat.

Auf die Frage, warum die Kirchen mit ihren Fachleuten diese Fehler an jenen Stellen in der herkömmlichen Bibelübersetzung nicht entdeckt haben, bin ich im ersten großen Buchteil eingegangen.

Die Textbeispiele mit den Übersetzungsfehlern, sowie ihre Korrektur durch mich, zeige ich im zweiten Teil, wobei das nur ein kleiner Ausschnitt angesichts der großen Menge an fehlerhaften Texten ist, die sich immer noch in den Evangelien bzw. in der Bibel befinden. Ich würde ihnen, liebe Leser, für diesen Buchteil als Lesetip raten, eine Bibel aus ihren Buchregal zu holen, und dort sich zum besprochenen Verse den betreffenden Textabschnitt durchlesen. Das kann für sie eine Hilfe sein, den Unterschied zwischen dem "herkömmlichen Jesus" und dem Jesus meiner neuen Übersetzung zu sehen.

Ich möchte mich hier an dieser Stelle bei all den vielen Leserinnen und Lesern bedanken, die mir geschrieben, mich angerufen, ja sogar persönlich besucht haben. Auch der Fachwelt sei mein Dank ausgesprochen, allen voran in memoriam Dr. Albert van Gansewinkel, Professor für Dogmatik, Psychologie, Ethik, und Pastoraltheologie sowie Dr. Herbert Haag, Professor für Bibelwissenschaften. Es freut mich, dass ich Gott sei Dank, Herrn Dr. van Gansewinkel noch persönlich kennenlernen durfte.

Mein Dank sei hier auch Dr. Roman Heiligenthal, Professor für Neutestamentliche Bibelwissenschaft und derzeitiger Dekan der Universität Landau/Pfalz ausgesprochen, der mein Buch gelesen hat und meint, "dass sich die Diskussion über sein Anliegen lohnt."
Allen Bibelinteressierten hoffe ich auch in meinen zukünftigen Veröffentlichungen genug Informationen über diese neue Übersetzung geben zu können.

Vielleicht fragen sich einige meiner Leserinnen und Leser, wie ich als katholischer Theologe mein Verhältnis zur römisch-katholischen Kirche sehe, wenn ich ihr ein theologisches Werk mit diesem Titel („Das kastrierte Evangelium“ Veröffentlichung 1996) zugemutet habe?
Als christlich-ökumenischer Theologe stelle ich meine Arbeit in den Dienst aller christlichen Kirchen und so fühle mich auch nicht allein mit der katholischen Kirche verbunden.
Da ich in der geistigen Bewegung des Zweiten Vatikanischen Konzils aufgewachsen bin, ist für mich jener Leitsatz dieser bedeutungsvollen Kirchenversammlung wichtig: " Ecclesia semper reformanda. " (Die Kirche bedarf immer einer Reform.) Dieses Konzil hat sich klar zur Meinungsfreiheit und Freiheit der wissenschaftlichen Forschung bekannt (vgl. Pastoral-Konstitution " Gaudium et Spes ", 1965, Nr. 59). In diesem Sinn sehe ich auch meine Übersetzungsarbeit und Forschungstätigkeit an der Bibel. Das Konzil hat auch in ihrer Dogmatischen Konstitution "Dei Verbum" ("Über die göttliche Offenbarung", 1965) die Theologie und Bibelwissenschaft beauftragt, beide großen Teile der Bibel (Hebräische und Christliche Bibel/Altes und Neues Testament) sinngetreu und "aus dem Urtext" neu zu übersetzen (vgl. Dei Verbum, Nr. 12 und Nr. 22 ).

Dieser Aufforderung der Konzilsväter (Beschluss mit 2344 Ja - gegen 6 Nein - Stimmen) wurde, wie ich meine, sehr mangelhaft entsprochen, weil die alten Fehler der Hieronymus-Übersetzung (Vulgata) beibehalten wurden.
Mein Anliegen ist es, dass diese Forschungsergebnisse offengelegt werden, damit meine These der falschen Evangelien-Übersetzung in einer fachlich-theologischen Diskussion weitergeführt werden kann.

Damit möchte ich eine Bibelreform anregen, bei der alle auf dem Weg und Suche nach der richtigen und authentischen "Frohbotschaft Jesu Christi" (griech. euangelion Iesou Christou) sind. Der Buchtitel will aber nicht den Eindruck erwecken, dass ich bereits die einzig richtige Übersetzung gefunden habe.

Mit dieser These in engem Zusammenhang steht selbstverständlich eine Neu-Interpretation von Jesus, Seiner Worte und Taten, Seiner gesamten Botschaft und Verkündigung. Meine Forschungsergebnisse werden möglicher Weise auch eine Diskussion über ein neues verändertes Jesus- und Gottes-Bild eröffnen.
Ich möchte die theologische Frage anregen, wie dieser neue Jesus unseren Blick für eine neue Perspektive des Christentums weiten kann.
Zu fragen ist auch, ob die gesamte theologische Wissenschaft dieser Herausforderung und Aufgabe sich stellen wird. Wird sie versuchen, das Wesen des Christentums von verschiedenen Blickrichtungen neu zu definieren? Wird sie diese neue Übersetzung theologisch hermeneutisch bearbeiten und für die Menschen und das christliche Alltagsleben und Praxis fruchtbar machen können?

Werden bald neue Wege in der Theologie (Bibelwissenschaft, Systematik, Theologische Ethik, Pastoraltheologie, Religionspädagogik, Kirchenrecht ...) beschritten werden? Sollte das geschehen, werden diese Auswirkungen in den Kirchen (Kirchenstruktur, Ordination und Ämterbestellung, Gleichberechtigung und Gleichstellung von Frau und Mann, von Verheirateten und Unverheirateten, Frage der Ämtersukzession, Sexual- und Morallehre, vor allem was die röm.-kath. Kirche betrifft, ...) sichtbar werden.

Das Jahr 2010 hat in der römisch katholischen Kirche eine sehr schwere Krise durch die mediale Veröffentlichung der vielen Gewalt- und Missbrauchsfälle an Kindern und Jugendlichen durch Priester und Ordensleute ausgelöst, die ihre "Krankheit" (Hans Küng), an der sie seit Jahrhunderten leidet, wieder einmal deutlich gezeigt hat. Ohne rasche und ehrlich durchgeführte Reformen wird sie wohl nicht zu retten sein, so beschreibt es Prof. Hans Küng in seinem Buch "Ist die Kirche noch zu retten?" Mein Betrag an diesem weitangelegten Reformprozess der Kirche ist der Aufruf zu einer solchen Bibelreform durch einen genaue Übersetzungs-Analyse und notwendige Korrektur. Denn nur eine korrekte Übersetzung der Worte Jesu in den Evangelien, kann ein Jesus-Bild deutlich machen, welches als Orientierung und Richtung für die Kirche der Zukunft Bestand haben kann. Damit kann in dieser Kirche wieder die neue und zugleich alte Lehre der Urkirche deutlicher zum Vorschein kommen, die in vielen Jahrhunderten durch künstliche, menschlich geschaffene und gefälschte Traditionen (Zölibatsgesetze, absolutistisches unfehlbares Papsttum, u.v.m.) zugeschüttet und vergraben worden ist.
Aber auch allgemein für die Leserinnen und Leser der Bibel kann nur ein Jesus in korrekt übersetzten Evangelientexten mit Seiner Weisheit für ihren Alltag hilfreich sein.

Der Buchtitel, „Das kastrierte Evangelium“, wurde von mir schon in der ersten Auflage 1996 gewählt, weil ich damit die enge Verbindung zwischen den mönchisch und ehelos lebenden priesterlichen Übersetzern (Hieronymus, u.a.) und ihren Einfluss auf die kirchlichen Übersetzungen der Evangelien des Neuen Testaments (oder Zweites Testament) zeigen wollte, und wie sie damit, wie schon gesagt, das Bild von Jesus in den Predigten und im Bibelunterricht tendenziös Jahrhunderte lang geprägt haben.
Dieser Titel will auch verdeutlichen, dass alle herkömmlichen Übersetzungen der christlichen Kirchen eine Überprüfung und einen Befreiungsakt von allen Übersetzungsfehlern benötigen, die bisher mit dem Argument der Tradition gestützt wurde: „Das hieß doch seit Jahrhunderten so, wurde von unseren Fachleuten immer schon geprüft, und ist daher auch nur so richtig!“

Nun wünsche ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, dass Sie diesen "neuen" Jesus und Sein Evangelium mit Freude kennenlernen mögen. Erfreulich wäre auch, wenn durch diese zweite Auflage meines Buches eine positive und konstruktive Diskussion über die Bibel und ihre Übersetzungen ausgelöst würde.

Ich habe mich stets redlich darum bemüht, in meiner Übersetzungstätigkeit eine frohmachende Botschaft im Sinn der Urkirche zu erarbeiten, die klar verständlich ist und lebensbejahende Anregungen für den Alltag gibt. Sehen und prüfen sie selbst, ob es mir gelungen ist, dem "Evangelium Jesu Christi" seine guten geistig-spirituellen Impulse wiederzugegeben und von den Verfälschungen zu befreien. So hoffe ich nun, dass damit die lebensfördernen Einsichten in der Botschaft Jesu nicht mehr weggeschnitten („kastriert") sind.

Köstendorf, Dezember 2011

Johannes Dietl-Zeiner

 



Dietl-Zeiner, Johannes: Das kastrierte Evangelium.
Die falschen Übersetzungen und die Wiederentdeckung
der Frohbotschaft Jesu Christi.
Eine neue Sichtweise der Lehre der Urkirche.

© Coyright 2012 by Mag. Johannes Dietl-Zeiner
Alle Rechte vorbehalten

Zweite, aktualisierte und erweiterte Auflage
Köstendorf 2012

Eigenverlag
Adresse: Joseph Mösl-Straße 8/9, A-5203 Köstendorf, Austria
E-Mail: johannes@dietlzeiner.at
Website: http://www.dietlzeiner.at

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