nicht dass ich dich sogenannte Realität
wie du dich mir darbietest
nicht ertragen könnte
steige ich dennoch gerne in den Bereich
meiner persönlichen Freiheit hinein
nachdem ich die Kerzen entzündet
mein Haar geschmückt und in Wellen gelegt
der Raum mit Andacht sich mir öffnet
Sammelplatz dort wo die gelben Wasserlilien
wachsen
die du nicht nach Hause nehmen kannst
im Inneren der gottgefälligen Eiche
die inmitten einer Wiese voll nachtschattiger Pflanzen seit Jahrhunderten
am Seeufer lebt
sitzen wir gemütlich beisammen
die weise Hexe der Indianer und ich
es ist licht und es fällt mir leicht
in diesem Kreise
dankbar und froh endlich meiner Aufgabe
bewusst zu werden
trommle ich den Rhythmus
der sich ergibt
und lausche auf Zeichen meiner Begleiter
dann singen wir in einer alten melodischen
Sprache
erzählen die Weisheit von Völkern und Rassen
ein Gebet ist das Lied zur Ehre des Höchsten
wir sind uns unserer Kraft im Klaren
und Mutter Eiche hat uns sicher verankert
im Bereich dessen
was möglich und sinnvoll für uns ist
die Eiche ist uns auch Vater
er schenkt uns
den nötigen Platz zum Ruhen
in einer kreativen Traumdimension
er weist mich an nicht aufzugeben
was soll ich tun
wenn ich merke
dass ich träume
nur du kannst Antworten für dich
finden
sagt mir Vater Eiche
und bläst mir sanft lachend seine Blätter ins Gesicht
die Blätter kühlen und heilen
stimmen mich meditativ
ich gehe an einem Regentag mit meinen
Kindern spazieren
sie laufen und lärmen und lecken die Tropfen
Nebel hängt an Wald und Feld
schwangere Wolken existieren grau im Grau
Stiefel Jacken und Schirm sind bunt
wie der Fasching in Südamerika
so lässt sichs leben
denke ich lächelnd
und erwache gestärkt an unserem
Treffpunkt
gemütlich sitzen wir beisammen
die weise Hexe der Indianer und ich
© Silvia Dietl-Zeiner